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[Tutorat zum Seminar Oralität und Literalität]



Charakterisierung der Sprechprojekte




Gästebücher

 

  • User-Activity: Aktive Beteiligung des Lesers am Text
  • Funktion: Markierung, Notiz; Kontaktfunktion - meist nichtthematisch
  • Relation: nicht notwendig, aber möglich: Reaktion auf voranstehenden Text
  • Anknüpfung: chronologisch, wird jeweils angehängt, keine Wahl
  • Organisation: chronologische, aber ungeordnete Listen

Newsgroups

 

  • User-Activity: Aktive Beteiligung des Lesers am Text
  • Funktion: Rundschreiben, Briefgespräche, Dialoge zu einem Thema
  • Relation: notwendig, Bezug auf bestimmten Text
  • Anknüpfung: freie Wahl der Anknüpfung
  • Organisation: geordnete Listen, nach gewisser Zeit werden Texte gelöscht

IRC

 

  • User-Activity: Unmittelbares aktives Handeln des Lesers; Leser=Sprecher?
  • Funktion: Echtzeit-Dialog; Kontaktfunktion
  • Relation: notwendig, Bezug (meist) auf Text in der Zeile zuvor
  • Anknüpfung: chronologisch, wird jeweils angehängt, keine Wahl
  • Organisation: chronologisches Kurzzeit-Gesprächsprotokoll

MUD/MOO

 

  • User-Activity: Unmittelbares aktives Handeln des Users (+ Kreieren sozialer Strukturen)
  • Funktion: Rollenspiele
  • Relation: in ein Geschehen mit komplexen Relationen eingebunden
  • Anknüpfung: Auswahl
  • Organisation: strukturierte Spielwelt

Interactive Fiction

 

  • User-Activity: Unmittelbares aktives Handeln des Users
  • Funktion:Rollenspiele
  • Relation: komplexe Relationen
  • Anknüpfung: Auswahl
  • Organisation: expansive Spiel- und Abenteuerwelt






Gemeinsamkeiten der Sprechprojekte:

 

  • Interaktivität
  • Dialogische Texte (Zwei- oder Mehrwegkommunikation)
  • Zeitliche Sukzession (stark verzögert bei Newsgroups und Gästebüchern)
  • Kommunikation in einem offenen Raum, wo sich jederzeit Aussenstehende einschalten können.
  • Konvergenz Leser - Text, der Leser wird Teil des Textes
  • Spielerische Interaktion



Relativiert den Ansatz «Sprechprojekte»:

 

  • Alle besprochenen Dienste sind textbasiert
  • Der Dialog findet über ein dazwischengeschaltetes Medium (Computer, Software, Netz) statt - mediatisierte Kommunikation
  • Dialog bei Nichtanwesenheit des Senders oder Empfängers, das heisst: die räumliche Einheit ist nicht gewährleistet, die zeitliche Einheit nicht immer
  • Folgerung: Kommunikation im Netz ist bis jetzt ein schriftgebundener Vorgang




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©Beluga Verlag, Beat Suter, CH-5430 Wettingen. 20. Oktober 1997.
Letzte Fassung: 10.November 1997.

 

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