Johannes Auer, Stuttgart

Der Leser als DJ

oder was Internetliteratur mit HipHop verbindet
(mit finalem TanGo)
 

Beat Suter schlug mir vor, als wir über einen möglichen Beitrag für dieses Symposium mailten, mich ein wenig ausführlicher über kollaborative Autorschaft und Tendenzen zum "Dialog der Künstler und Künste" zu äußern.
Das hatte ich fest vor.
Aber als ich mich an die Vorbereitungen machte, begann mich plötzlich etwas anderes mehr zu interessieren, und so will ich ihnen jetzt über den "Leser als DJ" berichten und was HipHop mit Internetliteratur gemein hat - mit einem finalen Tango.
Allerdings, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, werde ich zunächst ca. eindreiviertel Minuten etwas zur kollaborativen Autorschaft und Tendenzen zum Dialog der Künste, gecovert und gesamplet oder man könnte auch sagen - aufgewärmt aus meinem Essay "Lesen und Schreiben im Internet" referieren, um erstens ein wenig meine Bringschuld zu begleichen und zweitens als Auftakt oder Vorspiel, ja als Hinführung zu meinem doppelt musikalischen Thema.

Literatur im Internet ist im deutschen Sprachraum ein junges Phänomen. Hebamme und Mutter - zumindest für eine breitere öffentliche Beachtung - war der 1996 zum ersten mal ausgelobte und von großen Erwartungen getragene Internet-Literaturpreis der ZEIT.

Ein Jahr später "Familienkrach": kein erster Preis wurde verliehen, der junge Sprößling wurde abgestraft: er hatte die gewünschte Verbindung von "literarisch gestalteter Aussage und den technischen Möglichkeiten des Internets" noch nicht verwirklicht 1.

Fürs neue Jahr wurde er umbenannt: "Pegasus", das Wörtchen Literatur war angesichts der medialen Möglichkeiten gestrichen auch wenn "der literarische Fokus (...) beibehalten werden" 2 sollte.

Mit der Konsequenz, daß z.B. die Stuttgarter Zeitung mäkelte: "Überhaupt machten der Wettbewerb und das gleichzeitige Symposium deutlich, daß im Internet keiner so recht weiß, was Literatur eigentlich ist." 3

Nach nur 3 Jahren also Katzenjammer? Literatur und Internet eine Mesalliance? Keine brauchbaren Kriterien nur babylonische Begriffsverwirrung?

Natürlich nicht. Der Pegasus wurde in allen Kategorien verliehen und das zurecht. Richtig und eine Binsenweisheit ist allerdings, daß der Diskurs über Internet-Literatur noch läuft, daß Kriterien und Ausdrucksformen erprobt, ja durchaus noch entwickelt werden müssen. Dennoch sind erste Wegmarken gesetzt, Thesen formulierbar.

Hermann Rotermund stellte schon 1996 folgende Typologie für Internetliteratur auf:

"1. Gedichte und Erzählungen, die sich von ihrer medialen Umgebung noch in keiner Weise beeindrucken oder beeinflussen lassen. (Also kurz gesagt: traditioneller Fließtext, J. A.).

2. Hypertext-Literatur im Sinne der von Michael Joyce und anderen entwickelten Hyperfiction: navigierbarer Text mit einer häufig recht komplexen und häufig nicht-linearen Struktur; aber wohlgemerkt: nur Text.

3. Die in der Tradition der barocken Lyrikmaschinen und der Konkreten Poesie der letzten fünfzig Jahre stehenden Text- und Sprachexperimente, die an den visuellen und akustischen Eigenschaften von Texten mindestens ebensosehr interessiert sind wie an ihren semantischen.

4. Multimediale, scriptgesteuerte Kunstwerke mit Anteilen von Text, Bild, Animation und Audio, im Idealfall WWW-Gesamtkunstwerke." 4

Ich möchte diese Typologie hier nicht diskutieren, ich habe das an anderer Stelle schon getan 5 nur so viel: Rotermunds, als Grobraster durchaus brauchbare Thesen, transportieren für meinen Geschmack noch zu stark traditionelle Autorvorstellungen, vereinfacht ausgedrückt: ein Originalautor - ein Originalwerk.

Könnte aber nicht für das neue Medium viel charakteristischer werden, was der Stuttgarter Autor, Künstler, Literatur- und Medienwissenschaftler Reinhard Döhl als "Tendenz zum Dialog der Künstler und Künste", als "dialogische Kunst" 6 bezeichnet?

Reinhard Döhl konstatiert in seinem Aufsatz "Ansätze und Möglichkeiten künstlerischen Dialogs und dialogischer Kunst" im 20. Jahrhundert "eine Tendenz zum Dialog der Künstler und Künste". Er erinnert "die Forderung einer unpersönlichen Poesie und Kunst" (Lautréamont), "Versuche automatischer Niederschrift" (Lautréamont, Gertrude Stein, Zürcher Dadaisten), "eine die Kunstarten überschreitende Tendenz zu dialogischer Kunst" (Schönberg - Kandinsky, Picasso - Braque, Franz Marc und Else Lasker-Schüler) "aber auch zu Gemeinschaftsarbeiten" (Arp, Tzara, Serner) "und den Prospekt eines akustischen und visuellen Buches der Zukunft" (Guilleaume Apollinaire). Außerdem bezieht er sich auf die dialogische Kunst der Stuttgarter Gruppe /Schule in den 60er Jahren (Max Bense, Helmut Heißenbüttel, Reinhard Döhl, Ludwig Harig, Franz Mon, Ernst Jandl, Klaus Burkhardt, Hansjörg Mayer u.a.) 7.

Folgt man der These Döhls, und ich halte sie für richtig, dann muß die Tendenz zum Dialog der Künste auch für das Internet zutreffen gerade auch weil die technischen Möglichkeiten des Internets diese implizieren.

Brecht fordert 1927 in seiner Radiotheorie: "aus dem Radio eine wirklich demokratische Sache zu machen", "der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln". 8

Kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs stellt der Ingenieur Vannevar Bush, zu jener Zeit wissenschaftlicher Berater des US-amerikanischen Präsidenten Roosevelt, den Entwurf für eine Maschine vor. 9 Diese Maschine, MEMEX (MEM(ory)-EX(tender)) genannt von der Größe eines Schreibtisches, sollte alle Schriftdokumente auf der Basis eines Microfiche-Systems der Menschheit griffbereit halten. Und jeder Lesende sollte die Dokumente miteinander verknüpfen und weitere Informationen hinzufügen können. Der so gemeinsam gewobene "Welt-Text" 10 sollte alles Wissen verfüg- und handhabbar machen.

Was Vannevar Bush und Bertolt Brecht nach dem jeweiligen state of the art fordern ist letztlich der Übergang von der passiven Mediennutzung zur interaktiven Mitautorschaft. Und genau diese Möglichkeit bietet das Internet zum ersten Mal in der Mediengeschichte.
"In cyberspace", sagt Benjamin Whooley, "everyone is an author, which means no one is an author: the distinction from the reader disappears. Exit author..." 11
Ich möchte an dieser Stelle mit den mediengeschichtlichen Schlaglichtern abbrechen, es wäre ein zu weites Feld.

Allerdings bleibt festzuhalten, daß allein aufgrund der technischen Möglichkeiten der abgeschossene Text eines Individualautors - und ich übertreibe an dieser Stelle - im Internet als Anachronismus erscheint. Denn potentiell ist jeder, wie zitiert, im Cyberspace ein Autor.

Doch dieses Phänomen des Wreaders 12 (des Lesers "Reader", der auch Autor "Writer" ist) birgt - zur Ideologie erstarrt - Gefahren in sich.
Uwe Wirth schreibt: "In dem Maße, in dem Hypertexte auf eine Struktur, bzw. auf eine interne Kohärenz verzichten, um sich ganz den Entscheidungen des Lesers zu öffnen, verwischt die Grenze zwischen Interpretation und Gebrauch. Ein total offener Hypertext ist daher völlig uninterpretierbar." 13 Oder anders ausgedrückt: er ist sinnlos.
Was also muß hinzutreten, um hypertextuell (oder filmisch oder visuell oder sonstwie) organisierte Fiction im Internet erfolgreich zu gestalten, ohne gleich die auktoriale Erzählhaltung reanimieren zu müssen?

Damit bin ich endlich beim Kern meines Referats angelangt überschrieben:
"Der Leser als DJ - oder was Internetliteratur mit HipHop verbindet (mit finalem Tango)".
Beim Pegasus 98 erhielt der Poetry-Rapper Bastian Böttcher, Mitbegründer des HipHop-acts "Zentrifugal", einen Sonderpreis für den "Looppool".
Mit diesem kann man per Tastatur durch ein kreisrundes Textlabyrinth navigieren und damit vorgegebene Satzbausteine verknüpfen. Die kombinierten Satzmodule werden als Rap, mit Musik unterlegt, hörbar. Auf den ersten Blick werden hier also Strukturmerkmale des Hypertext, die Textmontage per Mausklick, mit dem Sprechgesang des Raps verschmolzen und als Musikstück, als HipHop ausgegeben.

Auf den 2. Blick wird diese Analogie jedoch brüchig.
HipHop kann kurz definiert werden als Sprechgesang, als das Erzählen einer Geschichte unterlegt von Musik, die ein DJ aus kurzen Phrasen, herausgelöst aus fertigen Musikstücken, samplet. Diese Musikzitate oder Sound-Patterns werden nach mehrfachen Wiederholungen, das Loop, mit weiteren Phrasen kombiniert und durch ein Rhythmuslinie, die ebenfalls gesamplet sein kann, verbunden.

Was Böttcher den Leser in seinem Looppool machen läßt, scheint mir nun weniger "rappen" zu sein, als die Arbeit des DJ zu imitieren, der statt mit Musikphrasen hier mit Textbausteinen arbeitet. Geloopt wird durch die Struktur des Looppools selbst.
Es drängt sich also eher die Musikanalogie des "Techno" auf, die sich verkürzt gesagt als HipHop ohne Rap mit überdominanter, schneller und harter Rhythmuslinie beschreiben läßt.

Und in der Tat versteht der Techno-DJ "Spooky" sein DJ-ing als "Recombining of Musical Patterns" und seine Musik als eine narrative Strategie.14
Ist der Leser eines Hypertextes also am besten mit einem DJ vergleichbar, der sich durch eifrige Mausclicks seine Texte samplet?
Irgendwie schon und irgendwie steckt in dieser Metapher auch der ganze Frust, der allenthalben gegenüber der Hyperfiction formuliert wird. Wenn Techno wie Cordt Schnippen formuliert "Industriemusik" ist, zu der sich der Raver als "Menschenmaschine" bewegt" 15, so ließe sich in verkürzten Analogiebildung der Leser des Hypertextes als Zap-Maschine charakterisieren.
Bernd Wingert konstatiert eine mögliche Aufmerksamkeitsverschiebung bei der Hypertext-Lektüre vom Text zum Sprung, die er zurecht als die "zentrifugalen Kräfte" 16 bei der Hypertext-Lektüre charakterisiert.
Uwe Wirth sieht "für die hypertextextuell organisierte Literatur im Internet" eine "Analogie zu McLuhans Schlagwort, daß das Medium die Botschaft" 16a ist.
Und meint damit, wenn ich ihn richtig verstehe, daß ein offener und damit uninterpretierbarer Hypertext als Sinn letztlich nur noch seine strukturale Organisation feiert.

Wie kann dieser gordische Netzknoten zerschlagen werden?
In Heinz Mosers Aufsatz: "Die Ohnmacht des Autors im Netz", finden wir folgenden Hinweis: "Das World-Wide-Web" (...) als Medium einer popular culture, (...) bewahrt jenes Aktivitätspotential (...), das darin besteht, dass der Konsument gleichzeitig ein Produzent von Bedeutungen wird. Und um diese Bedeutungen bilden sich Fangemeinden, Subkulturen und Interessengruppen, welche die Rolle jenes Subjekts bernehmen, die vormals im souveränen Autor zu finden war." 17

Was Moser hier als Bedeutungen charakterisiert, um die sich "Fangemeinden, Subkulturen und Interessengruppen" ranken, scheint mir auf ein wichtiges Strukturmoment des Internets zu verweisen, wie den Topic in Newsgroups, das Thema der Mailingliste oder der Name eines Chatrooms etc. Dieser inhaltlich/thematischen Klebstoff läßt aus heterogenen und zufällig entstanden Diskutierenden eine Einheit werden. Wobei die Diskursteilnehmer durch den Prozeß der "Besprechung" die Bedeutung des Topics inhaltlich kontinuierlich fortschreiben und sich wiedervergewissern.

Im HipHop hat diese Funktion das Sampling des DJ.
Diedrich Dieterichsen charakterisiert das Folgendermaßen: "Die bezeichnenden und verweisenden Elemente von HipHop (...) denken sich selbst als Fragmente und Zeugen einer urspruenglichen Einheit". "Die Behauptung (besteht) (...) darin, jene urspruengliche Einheit vor der diasporischen Zerstreuung in der Gegenwart aus dem Zusammenfuehren aller moeglichen lokalen Black Music zu einer neuen virtuellen Einheit, die die disparaten Strahlen aus der Vergangenheit im HipHop-Track buendelt, vorzufuehren. (...). 18

Der HipHop aktualisiert also im Zitat, im Sampling pathetisch die Idee der "black nation" 19. Bzw. in der weltweiten Jugendkultur zum Stereotyp, zur Attitüde trivialisiert, übernimmt das Sampling die Vermittlungsfunktion, die Verständigung auf eine gemeinsame Rezeptionsgeschichte. Dietrich Dietrichsen: "Die Beziehung von Sampling zu tribalistischen Organsiationsformen, die man natuerlich auch in anderen jugendkulturellen Szenen findet, wird natuerlich auch dadurch so leicht uebernommen und verstaerkt wiederholt, weil nun nicht nur die Kenntnis, sondern das Besitzen oder mindestens Verfuegen ueber bestimmte Platten zum Kriterium des Dazugehoerens wird." 20
v Und auf dieser musikalischen Verständigungsfolie erhebt sich nun das, wie Dietrichsen es nennt "rein Literarische" Solo eines oder mehrerer Rapper.

Ich fasse nochmals zusammen.
Wichtige Strukturformen des Internets sind Dialogprozesse, die durch Themen oder Topics gebündelt werden und auch hier "tribalistische" Strukturen schaffen.
Im HipHop übernimmt das Sampling diese Funktion und eint eine Szene durch die Verständigung auf eine gemeinsame Rezeptionsgeschichte als "Mechanismus der Sinnkonstruktion" 21 .

Und auf dieser Folie entwickelt der Autor, der Rapper, seine Text-Lyrik, in der Regel geschöpft aus seiner Erlebniswelt.
Bastian Böttcher: "Rap-Texte (sind) Lyrik! Man sollte nur über Dinge rappen, die einen selbst was angehen. Bei europäischen Rappern klingt dieses Ghetto-Gangster-Frasen-Gefasel einfach unecht und peinlich." 22
Kurz "Credibility", wie das so schön heißt, ist erwünscht. Und soviel nur angedeutet, ohne es hier ausführen zu können, das Konzept des Rap-Autors steht sicherlich dem Storyteller, dem afrikanischen Griot näher, als dem traditionellen Autorbild unserer Schriftkultur und auch im Internet scheint die scharfe Trennung zwischen traditioneller Oralität und moderner Literalität brüchig zu werden.

Hat das alles etwas Internet-Literatur zu tun?
Ich denke durchaus. Zumindest für einige erfolgreiche Beispiele auf die ich kurz und holzschnitthaft eingehen möchte.

Olia Lialia arbeitet in ihrer Bildergeschichte "My boyfriend came back from the war" 23 genau auf diese Weise. Die verwendeten Bilder sind aus dem Hollywood-Film "Broken Arrow" "gesamplet" 24 (wobei interessanter Weise, das macht ein Interview von Tilman Baumgärtel deutlich, alle Rezipienten, die die Genese der Bilder im Familienalbum der Autorin vermuten, bei der "Lektüre" scheitern 25 ).
Außerdem funktioniert das Klischee "My boyfriend came back from the war" als Topic, als vertrauter (wenn nicht selbst erlebt, so vielfach medial angeeigneter) Assoziationraum für den Leser. Und auf dieser Verständigungsbasis "rappt" Olia Lialia, entwickelt ihre narrative Strategie.

Ähnlich bei "Anna Karenin goes to paradies" 27. Hier covert die Autorin im Titel Tolstois "Anna Karenina" und Jim Jarmuschs Roadmovie "Stranger than Paradise". Und verstrickt auf dieser Folie den Leser in eine Irrfahrt im Cyberspace.

Oder die Gewinner des Pegasus98 Dirk Günther und Frank Klötgen.
In "Die Aaleskorte der Ölig" 28 scheint der Topic "Drehbuchschreiben" zu sein. Doch aktualisiert sich bei mir durch den "Aal" und die Drehbuch-Metapher sofort die berühmt-berüchtigte Aalszene aus der Blechtrommelverfilmung (auch haben wir hier wie dort den kindlichen Erzähler) und damit als mediales Stereotyp der bedeutungsschwere deutsche Autorenfilm. Auf diesem Background scheint mir u.a. die - wie es Susanne Berkenheger in ihrer Laudatio nennt - "abenteuerlich-ironischer Symbolik und kruden Szenerien" 29 der Bilder und Texte zu funktionieren.

Abschließend vielleicht noch kurz ein "Negativ"-Beispiel.
Der Internet-Roman Spielzeugland scheitert meines Erachtens als kollaboratives Schreibprojekt. Und zwar genau deshalb, weil der als Topic verstehbare Titel keine Verständigungsbasis schafft.
Er erinnert nichts, schafft kein Beziehungsgeflecht fordert nichts heraus und lädt daher die Autoren nur zu einem beliebigen "Spiel" ein, das sich, da vollkommen offen, im Sinnlosen verlieren muß.

Ich komme zum Finale und zum Tango:

Martina Kieninger hat 1996 zum Tango - dem Mitschreibeprojekt zwischen spanisch - schwäbisch und zurück eingeladen. Auf Servern in Montevideo, Stuttgart und München wurde ein Matrix aufgespannt und die Beiträge eingewoben 30.

Aus Martina Kieningers Projektbeschreibung:
"Tanz den Cybertango. Nix is neu. 100 Jahre alte Moderne und ein Fin de siecle. The virtual city that never sleeps. Morgens Tango abends Fango, da haengt der Kurschatten voll Geigen. Und? Was machen wir jetzt?
Einen Tango zelebrieren. Einen Walzer einfangen. Man schenkt sich Rosen in Tirol. Das ist doch kein Tanz mehr. Weisst Du was das bedeuten soll. Geh von meinen Fuessen runter. Auf spielerische Weise wird das Bewegungsverhalten fruehzeitig in richtige Bahnen gelenkt, um Haltungsschaeden vorzubeugen. Eine Werbung machen. Kuess die Hand, gnaedige Frau." 31

Was hier aufgefächert wird, ist bunter Strauß von Assoziationen und neu montierten Stereotypen, was genau dem Funktionsprinzip dieses Projektes entspricht.

Tango löst Assoziationen aus, ist stereotypisch hoch aufgeladen ("Emotion, Leidenschaft, Verbrechen, Dekadenz..."), kurz, Tango ist ein idealer "Topic", polyphon und vielseitig ausgestaltbar von den Teilnehmenden.
Und ich denke genau aus diesem Grund ist dieses Projekt erfolgreich.
Doch dazu mehr von Martina Kieninger selbst.

Johannes Auer 01/99
 
 

Anmerkungen

1 http://wettbewerb.ibm.zeit.de
2 Susanne Berkenheger: Laudatio zum Pegasus 98. http://www.pegasus98.de/laudatio.htm [leider offline]
3 Georg Patzer: Am Ende winkt immer das Hohmännchen mit dem Aal, Stuttgarter Zeitung vom 27.11.1998 4 4 Hermann Rotermund: Die Laudatio zum 2. Internet-Literaturwettbewerb
http://www.weisses-rauschen.de/hero/97-10-laudatio.html
Ebenfalls abgedruckt in der ZEIT, Nr. 41 vom 3. Oktober 1997, S. 78, unter dem Titel "Warten auf den Online-Ulysses".
5 Johannes Auer: Lesen und Schreiben im Internet  http://www.s.netic.de/auer/interlit.htm
6 Reinhard Döhl: Ansätze und Möglichkeiten künstlerischen Dialogs und dialogischer Kunst. Ein Überblick http://www.s.netic.de/auer/du/wien.htm
7 Reinhard Döhl: a.a.O.
8 Bertolt Brecht, Ges. Werke, VIII, S.129.
Walter Benjamin, dessen Radioexperimete und theoretischen Überlegungen sicherlich auch in diesen Kontext gehören würden, möchte ich an dieser Stelle nicht berücksichten. Vgl aber hierzu: Reinhard Döhl: Walter Benjamins Rundfunkarbeit. http://www.s.netic.de/auer/du/benjamin.htm
9 Vannevar Bush: As We May Think http://userpage.fu-berlin.de/~epos/VC/autor/vbushall.html
10 Seminar "Kollaborative Autorschaft", Lehreinheit 4: Zur Geschichte der kollaborativen Autorschaft in den Datennetzen. http://userpage.fu-berlin.de/~epos/VC/autor/seml4.html
11 Benjamin Whooley: New Media-Worlds. London 1992, S.165.
12 Zitiert nach: Seminar "Kollaborative Autorschaft". Lehreinheit 5: Zur Definition von Autorschaft in den Netzen. http://userpage.fu-berlin.de/~epos/VC/autor/seml5.html#FN12
13 Uwe Wirth: Literatur im Internet. Oder. Wen kümmert's wer liest? http://www.rz.uni-frankfurt.de/~wirth/texte/litim.htm
14 DJ Spooky the subliminal Kid http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/musik/3230/1.html
15 Cordt Schnibben: Die Party-Partei. In: DER SPIEGEL, 29/1996, S. 93.
16 Bernd Wingert: "Kann man Hypertexte lesen?" In: Literatur im Informationszeitalter, hrsg. von Dirk Matejovski und Friedrich Kittler, Frankfurt/Main u.a. 1996, S. 202.
16a Uwe Wirth: a.a.O.
17 Heinz Moser: Die Ohnmacht des Autors im Netz. http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/2141/1.html
18 Diedrich Diederichsen: Hoeren, Wiederhoeren, Zitieren. http://www.goethe.de/techno/GE/dd3.htm
19 Diedrich Diederichsen: Technologie und Pop-Musik http://www.goethe.de/techno/GE/dd2.htm
20 ebenda
21 ebenda
22 Zentrifugal - Bandinfo http://www.uni-weimar.de/~boettch1/bandinf.html
23 Olga Lialina: My boyfriend came back from the war. http://www.teleportacia.org/war
24 Tilman Baumgärtel: Interview mit Olia Lialina. http://www.heise.de/tp/deutsch/special/ku/6146/1.html
25 Tilman Baumgärtel: a.a.O.
27 Olia Lialina: Anna Karenin goes to paradies. http://www.teleportacia.org/anna/
28 Dirk Günther und Frank Klötgen: "Die Aaleskorte der Ölig" http://www.pegasus98.de/pegasus98/69/index.htm
29 Susanne Berkenheger: a.a.O.
30 http://www.textgalerie.de/tango/
31 http://www.textgalerie.de/tango/s/warum.htm